Neue FSK-Logos kommen mit aller Macht: Anfang vom Ende von Freiwilligkeit und Selbstbestimmung?
Die FSK wurde 60. 60 Jahre Jugendschutz. Hurra. Das muss ja gefeiert werden. Seit 60 Jahren dürfen Jugendliche nicht selbst bestimmen, was sie sehen dürfen und seit 60 Jahren wird über den Köpfen der Eltern entschieden, was sich deren Sprösslinge zumuten dürfen.
Seit dem 01.07.2008 ist das erste Gesetz zur Änderung des Jugendschutzgesetzes (JuSchG) in Kraft und beschert uns nun mit Auslaufen der Übergangsregelung im Jahr 2010 bunte, zum Cover gehörende FSK-Logos links unten im Bild. Die sind zwar -wie erwähnt- schön bunt, entstellen ob ihrer Buntheit und der neuen Größe von mindestens 3,46cm x 3,46cm das für teures Geld erstandene Objekt der filmischen Begierde. Für jeden Sammler guter Serien und schöner, teurer, aufwändig gearbeiteter Collectors- und Specialeditions ist das ein Schlag in’s Gesicht. Der findet nicht nur die sonst einheitlich gestaltete Edition mit bunten Jugendfreigabelogos verschandelt, sondern kann sie zu aller Schmach nicht einmal entfernen, weil das Logo gefälligst fest zum Cover zu gehören hat.
Die FSK ist all jenen konservativen Mächten geschuldet, die nicht begriffen haben, dass man sich den Film vielleicht erst selbst anschaut, bevor man ihn ihren Kindern zumutet und die auch nicht verstehen, dass Kinder keine Verbote brauchen, sondern Aufklärung über das im Film Gezeigte. Die Prüfung vor der FSK ist nicht verpflichtend, die Spitzenorganisation der Filmwirtschaft (SPIO) hat sich aber verpflichtet, alle Produktionen zur Prüfung zu bringen. Das kommt auch dem Gesetzgeber zu Gute, denn der braucht in die Novelle des Gesetzes, das nun tatsächlich auch Jugendschutzgesetz heißt, nur reinzuschreiben, wie groß die neue Kennzeichnung zu sein hat und den konservativen Vorstellungen von Jugendschutz und Jugendverboten ist Genüge getragen. Dass andere dadurch vergrätzt werden, existiert in deren Vorstellung gar nicht.
Den Jugend”schutz” halte ich persönlich für unnötig. Medienkompenz scheint mir hier der bessere Weg zu sein. Trotzdem möchte ich den Menschen, die darauf Wert legen, dass entsprechende Ware gekennzeichnet ist und auch nicht an Jugendliche unter der Freigabe gegeben wird, ihr Begehren nicht absprechen. Gern darf auch das Logo auf dem Cover verbleiben. Meinem Ästhetischen Empfinden wäre jedoch sehr zuträglich, könnte man das FSK-Logo einfach entfernen. Indem man nicht nur Wendecover, sondern auch Aufkleber zulässt, wäre dem schon Genüge getan. Nun möchte man einwerfen, dass doch ein Wendecover völlig ausreichend sei. Doch ich möchte erneut auf Specialeditions hinweisen, die vielfach aus Metall gefertigt sind oder an edle Pappschuber, in denen die meisten Staffeln einer Serie daherkommen. Hier ist ein Wendecover wohl kaum möglich.
Mir selbst ist das erst kürzlich mit der Staffel 4 der Serie Dr. House passiert: Das Cover des Pappschubers hat ein hässliches, das gesamte Cover entstellendes FSK-16-Logo vorne drauf. Das allein erschien mir noch nicht ganz soooo tragisch. Aber als ich die DVD dann in den Computer schob, wurde mein weiterer Genuss mit einem audiovisuellen Hinweis über die Kennzeichnung getrübt. Folgender Text muss nämlich vor dem eigentlichen Programm ausgegeben werden: “Die FSK-Kennzeichnungen erfolgen auf der Grundlage von §§ 12, 14 Jugendschutzgesetz. Sie sind gesetzlich verbindliche Kennzeichen, die von der FSK im Auftrag der Obersten Landesjugendbehörden vorgenommen werden. Die FSK-Kennzeichnungen sind keine pädagogischen Empfehlungen, sondern sollen sicherstellen, dass das körperliche, geistige oder seelische Wohl von Kindern und Jugendlichen einer bestimmten Altersgruppe nicht beeinträchtigt wird. Weitere Informationen erhalten Sie unter www.fsk.de.” Natürlich darf man diesen Teil nicht überspringen können. Wo kämen wir denn da auch hin, wenn jeder einfach weiterspringen kann, wie es ihm gefällt. Aber das ist ein weiteres Thema. Manchmal wünsche ich mir Videokassetten zurück!
[Update am 11.01.2010] Für mich heißt das, dass ich solange weder Serien, noch Specialeditions, noch DVD ohne Wendecover kaufe, wie dieser unsägliche Umstand besteht, dass das Cover durch nicht zu entfernende FSK-Logos entstellt wird.
Sehr empfehlenswert ist auch der Beitrag “Ich sehe was, was Du nicht siehst – Ein Einwurf zur Zensur in Deutschland” auf www.schnitt.de.

